Hygiene für Alle – mit Duschbussen am Bahnhof Lichtenberg
Hygiene für Alle – mit Duschbussen am Bahnhof Lichtenberg
Wieso ausgerechnet Duschbusse?
Sich regelmäßig waschen zu können, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Denn es hilft nicht nur, sich erfrischt und sauber zu fühlen, sondern mindert auch das Risiko für Infektionen von eventuellen Wunden, Hautekzemen oder Ähnlichem. Menschen ohne Obdach haben genauso sehr ein Anrecht auf Sauberkeit wie Menschen mit Obdach. Dementsprechend sollten ihnen saubere Sanitäranlagen zur Verfügung stehen. Gerade das wird aber durch teure Gebühren und die Abschaffung der Barzahlung an öffentlichen Toiletten erschwert.
Duschbusse können hier Abhilfe verschaffen. Sie bieten, je nach Größe, bis zu drei Dusch- und Waschanlagen und können relevante Orte frei ansteuern. Damit können sie flexibel auf den Bedarf an Waschplätzen reagieren und ihre Routen entsprechend anpassen. Dadurch erhalten auch obdachlose Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit, die Duschen an Bord zu nutzen. Neben den Waschanlagen können die Busse auch als Türöffner dienen, um die Nutzer*innen mit lokalen Sozialarbeiter*innen zu vernetzen. So können weitere Hilfsangebote vermittelt und neue Perspektiven eröffnet werden.
Bewährte Konzepte für den Bahnhof Lichtenberg
Andere Städte und auch Berliner Bezirke konnten bereits positive Erfahrungen mit Duschbussen sammeln. In Hamburg, zum Beispiel, betreibt die gemeinnützige Organisation GoBanyo zwei Duschbusse, die in der ganzen Stadt unterwegs sind. Die Nutzung der Sanitäranlagen ist kostenlos, Duschgäste bekommen vor Ort neue Unterwäsche, saubere Kleidung, Pflegeprodukte und vor allem Privatsphäre. In Berlin ist das Duschmobil des Sozialdienstes katholischer Frauen unterwegs, welches allerdings nur Frauen zur Verfügung steht. Die Erfahrungen beider Initiativen können für Lichtenberg aktiv genutzt werden; GoBanyo bietet einen Wissenstransfer mit interessierten Initiativen sogar explizit an.
Wir können die Erfahrungen dieser Initiativen nutzen, um die Situation obdachloser Menschen am Bahnhof Lichtenberg zu verbessern. Schon 2022 hatte die BVV das Bezirksamt aufgefordert, sich für barrierefreie Hygieneeinrichtungen einzusetzen. Die Forderung wurde vom Bezirksamt bis heute nicht umgesetzt. Unser Antrag zu Duschbussen ist somit der zweite Aufruf an das Bezirksamt, das menschliche Grundbedürfnis nach Sauberkeit auch für obdachlose Menschen zu erfüllen. Dafür soll das Bezirksamt auch weitere Träger der Obdachlosenhilfe in die Planung und Umsetzung einbeziehen. Das langfristige Ziel ist, die Mobilität von Duschbussen zu nutzen, um neben dem Bahnhof Lichtenberg auch weitere Standorte mit besonderem Bedarf im Bezirk zu versorgen.
„Niedrigschwellig gestaltete Hygieneangebote, welche sich an den Aufenthaltsorten der Menschen befinden, müssen dringend ausgebaut werden. Sie können Türöffner sein, um obdachlose Menschen mit umliegenden Sozialangeboten zu vernetzen. Sie können außerdem gut barrierefrei zugänglich gemacht werden. Und allem voran gilt das EU-Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen! “ – Lisa Sager, Sprecherin für Gleichstellung