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Autor: Sophie Fallenstein

Die Fahrradstraße in Karlshorst kommt!

Die Bauarbeiten zur Fahrradstraße Hentigstraße – Cäsarstraße – Römerweg im Süden Lichtenbergs haben am 10. November 2025 begonnen. Dies ist der erste von insgesamt drei Bauabschnitten. Die Fahrradstraße soll die angespannte Verkehrssituation in den Straßen beruhigen. Den Anstoß für dieses Projekt lieferte ein Antrag unserer SPD-Fraktion.

Vom Antrag zum Baubeginn: Der Weg der Fahrradstraße durch die Kommunalpolitik

Im September 2022 brachte unsere Fraktion einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein, eine Fahrradstraße in der Hentigstraße und der Cäsarstraße einzurichten. Darin wurde das Bezirksamt gebeten, zu prüfen, ob und wie dies umgesetzt werden kann. Das Bezirksamt gab daraufhin eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die im August 2024 begann.

Diese ermittelte die derzeitige Verkehrslage und baulichen Gegebenheiten und betrachtete die Auswirkungen von verschiedenen Gestaltungsvarianten auf den Verkehr. Anwohnende und Interessierte hatten die Möglichkeit, ihre Hinweise, Wünsche und Bedenken auf einer Online-Plattform zu äußern. Diese wurden in die Planung einbezogen. So wird sichergestellt, dass das Bezirksamt die Meinungen von Bürger*innen bei Verkehrsprojekten ausreichend berücksichtigt. So eine Mitwirkung ist unter https://mein.berlin.de/kiezradar/ auch bei anderen Projekten möglich.

Anwohnende und Interessierte konnten die entstandenen Entwürfe Ende 2024 auf einer öffentlichen Veranstaltung kommentieren. Das abschließende Ergebnis und den Zeitplan für das Bauvorhaben stellte das Bezirksamt im Februar 2025 vor, der Abschlussbericht ging der Bezirksverordnetenversammlung im April 2025 zu.

Die Umsetzung zeigt, dass beharrliche kommunalpolitische Arbeit Wirkung zeigt. – Kevin Einenkel, Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion

Die Notwendigkeit einer Fahrradstraße in Karlshorst

Eine Umgestaltung der aktuellen Verkehrssituation in Karlshorst ist dringend vonnöten. Allem voran in der Hentigstraße und der Cäsarstraße. Diese wird oft von Autofahrenden genutzt, um die Treskowallee zu umfahren. Dadurch kommt es zu starkem Durchgangsverkehr.

Die an den Straßenrändern parkenden Autos verschmälern zudem die Fahrbahn. Deswegen ist nicht genug Platz vorhanden, um mit ausreichend Sicherheitsabstand an Fahrradfahrenden vorbeizufahren. Da in den Straßen ein Drittel der Verkehrsteilnehmenden auf Fahrrädern unterwegs sind, entstehen häufig gefährliche Situationen für Rad- und Autofahrende. Auch Fußgänger*innen sind betroffen: Die Fußwege sind teilweise zu schmal. Zudem gibt es wenige Möglichkeiten, die Straße sicher zu überqueren. Die parkenden Autos erschweren die Übersicht für alle Verkehrsteilnehmenden.

Fahrradstraßen als faire Lösung für Alle

Die im Bau befindliche Fahrradstraße soll diese Probleme nun beheben. Denn auf Fahrradstraßen gelten besondere Rechte für Fahrradfahrende.

  • Fahrradstraßen sind in der Regel dem Radverkehr vorbehalten. Autos, Lkw und Motorräder dürfen hier nicht fahren, es sei denn, ein Zusatzschild („Anlieger frei“) erlaubt dies.
  • Autofahrende haben besondere Rücksicht auf Radfahrende zu nehmen, da diese Vorrang auf der Fahrradstraße haben.
  • Radfahrenden gehört die gesamte Fahrbahnbreite, sie dürfen jederzeit nebeneinander fahren. Allerdings gilt auch hier das Rechtsfahrgebot.
  • Radfahrende geben die Geschwindigkeit vor. Für alle gilt maximal Tempo 30 km/h.

Die Hentigstraße und Cäsarstraße werden so für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer. Die Straßen bleiben für Anwohnende nutzbar, es reduziert sich aber der Durchgangsverkehr. Dadurch leiden Anwohnende weniger unter der Luftverschmutzung und Lärmbelastung, die dieser mit sich brachte. Das Projekt sieht trotz Priorisierung von Fahradfahrenden genügend Parkplätze für Anwohnende vor. Diese Maßnahmen verbessern die Übersicht und damit die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden.

So gelingt ein Miteinander im Straßenraum, das den Realitäten im Kiez gerecht wird. – Jutta Feige, unsere verkehrspolitische Sprecherin

Die Bauarbeiten sollen laut Plan im Frühjahr 2026 abgeschlossen sein.
Wir freuen uns sehr, dass unser Antrag vom September 2022 mit dem Beginn der Bauarbeiten nun vollständig Gestalt annimmt!

Gedenkveranstaltungen zum 09. November 2025 in Lichtenberg

Im Lauf des Tages haben wir den Gedenkstein für die Alte Synagoge in der Konrad-Wolf-Straße besucht und anschließend gemeinsam mit den Jusos Lichtenberg Stolpersteine in Lichtenberg geputzt. Als Abschluss nahmen wir am Stolperstein-Rundgang des FAN-Beirats teil.

Gedenken an die jüdische Gemeinde in Hohenschönhausen

Der Gedenkstein an der Konrad-Wolf-Straße 91 und 92 erinnert an die ehemalige jüdische Gemeinde in Hohenschönhausen. Die Gemeinde wandelte 1935 einen Betraum in eine Synagoge um. Nur wenige Mitglieder überlebten den Holocaust, sodass die kleine Gemeinde nach 1945 in Vergessenheit geriet. Erst in den 1990er Jahren kamen die Erinnerungen mit vermehrter Forschung zur jüdischen Geschichte zurück. Die Idee für einen Gedenkstein zum 51. Jahrestag der Reichspogromnacht wurde Ende der Neunziger Jahre umgesetzt. Die Enthüllung erfolgte im Jahr 2000.

Um den Opfern der Reichspogromnacht aus der jüdischen Gemeinde Hohenschönhausen zu gedenken, haben Vertreter*innen der Fraktion Blumensträuße und -kränze am Gedenkstein niedergelegt.

Stolpersteine putzen von und mit den Jusos Lichtenberg

Anschließend trafen sich unsere Vertreter*innen mit den Jusos Lichtenberg, um Stolpersteine in Lichtenberg zu putzen. Diese Gedenksteine erinnern an Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Stolpersteine werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort des Menschen in das Gehwegpflaster eingelassen. Auf ihnen befinden sich Messingtafeln mit dem Namen, Alter und dem Schicksal der Opfer. Stolpersteine gibt es auch in 28 weiteren europäischen Ländern, damit bilden sie das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Als Projekt ins Leben gerufen hat sie der Kölner Bildhauer Gunter Demning. Er wollte mit ihnen eine würdevolle Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus bekräftigen.

Als die ersten Steine verlegt waren, habe ich Passanten beobachtet, die einen Stolperstein entdeckten und lesen wollten – sie mussten eine Verbeugung machen – eine Verbeugung vor dem Opfer. – Gunter Demning

Die Inschriften mancher Stolpersteine sind aufgrund von Ablagerungen und Oxidation nur noch schlecht lesbar. Mit der gemeinsamen Putzaktion mit den Jusos Lichtenberg haben wir die Gedenksteine wieder lesbar gemacht. Dabei haben wir auch Blumen niedergelegt und so unsere Anteilnahme sowie unseren Respekt zum Ausdruck gebracht. Übrigens kann jeder Stolpersteine in seiner Nachbarschaft das ganze Jahr über putzen! Es braucht nur ein paar simple Haushaltsutensilien – mehr zur korrekten Reinigung kann man hier nachlesen. So kann man sich auch abseits vom 09. November für das Gedenken engagieren.

Stolperstein-Rundgang von und mit dem FAN-Beirat

Abschließend nahmen wir am Stolperstein-Rundgang des FAN-Beirats teil. Bei diesem haben wir mit musikalischer Begleitung verschiedene Stolpersteine in Alt-Lichtenberg besucht. Um den per Stolperstein verewigten Menschen und ihrer Schicksale angemessen zu gedenken, zündeten wir Kerzen an und legten Blumen nieder.

Wir bedanken uns herzlich bei den Jusos Lichtenberg und dem FAN-Beirat für die Organisation der Gedenkveranstaltungen.

Ein Blick auf die Historie: Wie kam es zur Reichspogromnacht?

Am 09. November 1938 ereigneten sich im damaligen deutschen Reich zahlreiche Pogrome. So nennt man gewalttätige Verfolgungen, die sich gegen Minderheiten in einem Staat richten. Seit dem Mittelalter richteten sich zahlreiche Pogrome gegen jüdische Menschen, infolge derer sie beraubt, vertrieben und auch ermordet wurden. Als Rechtfertigung dienten falsche Anschuldigungen: Die jüdischen Mitbürger*innen seien für verschiedenste Missstände verantwortlich.

Als Vorwand für die zahlreichen Gräueltaten am 09. November diente das Attentat von Herszel Grynszpan auf einen deutschen Diplomaten am 07. November. Dieses Attentat nutzte die NS-Regierung für ihre antisemitische Propaganda. Es sollte der Anschein entstehen, die Gewalt gegen Jüd*innen sei die Entladung eines „Volkszorns“ der deutschen Bevölkerung gegen jüdische Mitbürger.

Tatsächlich hatte der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels jedoch Mitglieder der NSDAP, SA, SS und der Hitler-Jugend gezielt zu Ausschreitungen angestachelt. Sicherheitsbehörden, einschließlich der Feuerwehr, durften nicht einschreiten.

Die Gewalt richtete sich gegen jüdische Infrastruktur im gesamten deutschen Reich. Jüdische Geschäfte und Wohnungen, sowie Gemeindehäuser, Friedhöfe, Schulen, Waisen- und Altersheime wurden geplündert und zersört. Synagogen wurden niedergebrannt. Zudem wurden über 1.000 jüdische Menschen ermordet oder nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Während der Pogrome verhafteten und verschleppten die Angreifer mehr als 30.000 Menschen in Konzentrationslager.

Damit markiert die Reichspogromnacht den Übergang von der Diskriminierung deutscher Jüd*innen ab 1933 zur systematischen Verfolgung und Ermordung von Jüd*innen in großen Teilen Europas.

Deswegen ist es uns sehr wichtig, den Opfern all dieser Gräueltaten am 09. November zu gedenken. Wir wollen und dürfen ihre Leben als Nachbarn, Familienmitglieder, Kollegen und Freunde nicht vergessen.
Das Erinnern mahnt uns ebenso, eine derartige Entrechtung und Entmenschlichung von Minderheiten, wie zur Zeit des Nazi-Regimes, nie wieder zuzulassen.