Mehr Hitzeschutz für Lichtenberg
Mehr Hitzeschutz für Lichtenberg
Der letzte Hitzerekord wurde 2022 erreicht. Das zeigt: Hitzewellen werden im Zuge des Klimawandels nicht nur heftiger, sondern auch häufiger. Es ist also notwendiger denn je, den Hitzeschutz im öffentlichen Raum zu verbessern.
Hitzeschutz wird immer wichtiger
Gerade die Hitzewelle Ende Juni, bei der teilweise Temperaturen von über 40 Grad herrschten, hat einen Mangel an „kühlen Orten“ aufgezeigt. Denn während sich die Stadt tagsüber aufheizt, kann sie sich in kurzen Sommernächten nicht genug abkühlen. So bleibt es nicht nur länger heiß, es fehlt auch an der dringend nötigen Erholung von der Hitze. Das hat in diesem Sommer schon zu überdurchschnittlich hohen Sterbefällen in ganz Europa geführt.
Ein besserer Hitzeschutz im öffentlichen Raum ist also für uns Alle notwendig. Insbesondere aber für sowieso schon vulnerable Menschen wie Senior*innen, Kleinkinder und Wohnungslose. Denn bisherige „kühle Orte“ im Bezirk, wie beispielsweise das Linden-Center, sind nicht für alle niedrigschwellig nutzbar. Es fehlt an einer räumlichen, wohnortnahen Verteilung entsprechender Angebote im Bezirk. Damit wäre nicht nur älteren Menschen geholfen, die bisherige Angebote nur schwer erreichen, sondern auch wohnungslosen Menschen, die auf Abkühlung im öffentlichen Raum angewiesen sind.
„Hitze ist längst ein ernstzunehmendes Risiko für die Gesundheit vieler Menschen, gerade für Ältere, Kinder oder Menschen mit Vorerkrankungen. Wir brauchen deshalb mehr niedrigschwellige Angebote, bei denen sich Menschen unkompliziert abkühlen und vor der Sonne schützen können.“ – Anne Meyer, Sprecherin für Katastrophenschutz der SPD-Fraktion Lichtenberg
Was sind „kühle Orte“
Der Begriff „kühle Orte“ bezeichnet Rückzugsräume, die an besonders heißen Tagen Erholung bieten. Das kann der Schatten alter Bäume, Parks, an Gewässern, aber auch in klimatisierten Gebäuden, öffentlich zugängliche Innenräume und kostenlose Trinkwasserbrunnen sein. Sie sind wichtig für die Gesundheit und steigern die Lebensqualität – besonders für Kinder, ältere und gesundheitlich belastete Menschen.
In Berlin existieren „kühle Orte“ vor allem in Form von öffentlichen Trinkbrunnen, alten Gebäuden (wie Kirchen, Rathäusern) und teilweise auch sozialen Einrichtungen und Treffpunkten. Zu finden sind diese beispielsweise auf speziellen Hitzeschutz-Karten: https://kuehle-orte.berlin.de/hsp/
Dabei fällt auf: das Angebot an „kühlen Orten“ ist vor allem innerhalb des S-Bahnrings vielseitig. Außerhalb des Rings wird es jedoch immer weniger. Und gerade in Lichtenberg gibt es kaum bis keine „kühlen Orte“.
Hitzeschutz am Freiaplatz
Ein Beispiel ist der Freiaplatz. Dort fehlt es an grundlegender Infrastruktur. Es gibt weder eine öffentliche Toilette, noch eine Möglichkeit zur Trinkwasserversorgung. Das wird der intensiven Nutzung des Platzes nicht gerecht und schränkt die Aufenthaltsqualität für Familien, ältere Menschen und Kinder erheblich ein. Die Errichtung entsprechender Infrastruktur würde den Freiaplatz als wohnortnahen Begegnungsort stärken und wäre gleichzeitig ein Beitrag zu einer familienfreundlichen, resilienten und klimabewussten Stadtgestaltung.
Wir haben deshalb das Bezirksamt aufgefordert, zu prüfen, ob eine autarke Toilette für den Freiaplatz geeignet ist und vor allem gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben einen Trinkbrunnen am Freiaplatz zu installieren. Damit könnte ein schon beliebter, wohnortnaher öffentlicher Platz zu einem „kühlen Ort“ umgestaltet werden.
Niedrigschwellige Angebote für Alle
Außerdem haben wir in einem Antrag die Einrichtung weiterer „kühler Orte“ gefordert, welche auf der Internetseite des Bezirksamts übersichtlich veröffentlicht werden sollen. Insbesondere soll das Bezirksamt öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken, Bürgerämter und Kultur- und Nachbarschaftseinrichtungen berücksichtigen, soweit sie sich als Aufenthaltsorte während Hitzeperioden eignen.
Zudem haben wir uns in den Haushaltsverhandlungen dafür eingesetzt, dass Mittel zur Überdachung und Verschattung von Spielplätzen bereitstehen und uns in der BVV im Juli 2026 auch für eine Überdachung der Sitzplätze am Hönower Weg 54 stark gemacht.
Zusätzlich soll das Bezirksamt prüfen, ob an geeigneten, im Eigentum des Bezirks stehenden Orten temporäre oder dauerhafte Wasserspender aufgestellt werden können. Geeignete Standorte und eine überschlägige Kostenschätzung der jährlichen Aufwendungen pro Standort sollen anschließend der Bezirksverordnetenversammlung vorgelegt werden. Damit möchten wir eine fundierte Grundlage schaffen, um den Hitzeschutz im Bezirk systematisch weiterzuentwickeln.
„Unsere Bibliotheken und Kulturorte sind ideale Rückzugsorte bei Hitze. Sie sind gut erreichbar, bieten Aufenthaltsqualität und sind vielen Menschen vertraut. Dieses Potenzial sollten wir gezielt nutzen und sichtbar machen.“ – Henning Wolff Sprecher für Weiterbildung und Kultur