Vielfalt leben, Schutzräume bieten
Vielfalt leben, Schutzräume bieten
Notsituationen präventiv angehen durch Beratung und Hilfe
So vielfältig unser schöner Bezirk auch ist, gehört zur bitteren Realität leider dazu, dass es noch zu viele Menschen gibt, die andere Lebensentwürfe nicht akzeptieren. Das führt nicht nur im schlimmsten Falle zu Gewalt, sondern sorgt auch für strukturelle Diskriminierung und massive Vorurteile. Grade auch queere Menschen sind oft davon betroffen, dass ihnen Vorurteile, Hetze und Gewalt entgegengebracht werden, was sich natürlich auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirkt. Entsprechende Beratungsangebote und Schutzräume sind daher umso wichtiger, um in Krisensituationen, aber auch bei Fragen im Alltag und zur Aufklärung adäquat unterstützen zu können.
Genau dafür haben wir uns als SPD-Fraktion Lichtenberg besonders stark gemacht. Auf den Anstoß unserer SPD Queer Lichtenberg haben wir uns für die Errichtung eines queeren Beratungszentrums eingesetzt. Mit großem Erfolg! Seit 2024 gibt es nun das sogenannte Q*BeL im Weitlingkiez – auch dank der großen Unterstützung unserer Initiative innerhalb des Bezirks. Über eine Ausschreibung vom Land konnte alles sehr schnell realisiert werden und nun finanziert der Bezirk das Projekt mit 200.000€ aus dem eigenen Haushalt! Eine echte Bereicherung für Lichtenberg.
Die Angebote des Q*Bel reichen von Sensibilisierungstrainings für alle, über Beratung zu Gesundheitsthemen, Transition, Geschlechtsidentität oder Beziehungsfragen bis hin zu Freizeitangeboten und Sprachcafés. Es ist also für alle etwas dabei und die Zielgruppe reicht von jung bis alt – jede*r ist willkommen! Unter der Trägerschaft von LesLeFam wird hier ein vielfältiges Angebot realisiert, das Betroffene, Angehörige und Interessierte in allen Fragen passend begleiten und unterstützen kann.

Ein vielfältiger Bezirk braucht eine sensibilisierte Verwaltung
Um das vom Senat beschlossene Leitbild “Weltoffenes Berlin – chancengerechte Verwaltung” und die Charta der Vielfalt im Bezirk effektiv umsetzen zu können, haben wir uns in dafür eingesetzt, in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Beauftragten des Bezirks eine Arbeitsgruppe zu gründen. Diese fächerübergreifende Gruppe soll sich in regelmäßigen Abständen treffen und ihre Ergebnisse an die zuständigen Fachausschüsse und der Bezirksverordnetenversammlung berichten.
Lichtenberg ist ein Ort der Vielfalt und soll für Alle offen und lebenswert sein – dieses Bestreben muss sich auch im politischen Handeln widerspiegeln. Deswegen forderten wir auch eine Sensibilisierung aller Mitglieder des Bezirksamtes und der Bezirksverwaltung durch jährliche Diversity-Schulungen und Sensibilisierungstrainings.
Diese Forderungen sind durch das Bezirksamt umgesetzt worden. Das Bezirksamt hat sich bei der Fachstelle DOKE (Diversitätsorientierte Organisations- und Kompetenzentwicklung im Land Berlin) um Unterstützung beworben. Die Fachstelle berät Behörden anlassbezogen und prozessorientiert, um die von den Bezirken selbst gewählten Diversity-Ziele umzusetzen. Auf Grundlage dieser Beratung hat sich im Juli 2024 eine Prozessgruppe zusammengefunden, die bis November 2025 eine zentrale Diversity-Gesamtstrategie für das Bezirksamt Lichtenberg, sowie ein Maßnahmenpaket zur Umsetzung entwickelt.
Bestehende Schutzräume erhalten!
Nach dem Einsatz unserer Fraktion hat das Jugendamt einen Leistungsvertrag mit dem Gewaltpräventionsprojekt Maneo abgeschlossen – damit wurde die Finanzierung für 2024/25 sichergestellt. Damit ist nun über einen längeren Erfahrungszeitraum die Dokumentation von Übergriffen auf queere Menschen gewährleistet.
Maneo ist eine Initiative zur Unterstützung Betroffener von homophober Diskriminierung und zur Gewaltprävention. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Opferhilfe, dafür findet jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr eine Sprechstunde im Nachbarschaftshaus in der Ribnitzer Straße statt. Damit wird Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt ein niedrigschwelliger Zugang zu Unterstützungsangeboten ermöglicht.
Zugleich unterstützt Maneo die Vernetzung mit sozialen Trägern, Schulen und Projekten der Gemeinwesenarbeit in der Region. Dabei wird mittels Dialog und Erfahrungsaustausch ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und Sensibilisierung für homophobe Gewalt geleistet.
Desweiteren erhöht die Initiative durch öffentlichkeitswirksame Aktionen die Sichtbarkeit von LSBTIQ+ Personen in Hohenschönhausen (zum Beispiel durch “Kiss Kiss Berlin”, einer Veranstaltung zum Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Queer*phobie). Damit Lichtenberg ein sicherer und inklusiver Ort für alle wird, setzen wir uns natürlich weiterhin für Projekte wie das Maneo ein.
Außerdem konnten wir auch weitere Mittel (20.000€) für die Aktion Noteingang sichern, welche Schutzräume für Betroffene von rechter Gewalt liefert. Mittels Aufklebern an sich beteiligenden Einrichtungen (wie Läden, Cafés, Familien- und Jugendfreizeiteinrichtungen) wird potentiell Betroffenen signalisiert, dass sie dort einen sicheren Ort sowie Hilfsangebote finden können. Diese Aktion entstand bereits Ende der 1990er Jahre in Berlin als Reaktion auf zunehmende rassistische Übergriffe. Damals beteiligten sich z.B. die BVG und mehrere Bezirksämter. An der Wiedereinführung hat sich die Netzwerkstelle „Lichtblicke“ entscheidend beteiligt. So konnte, neben Schutzräumen, auch ein Netzwerk entstehen, das den Angreifer*innen zeigt, dass sich die Gesellschaft gegen rechte Gewalt und Rassismus aufstellt.
Damit Lichtenberg ein sicherer und inklusiver Ort für alle wird, setzen wir uns natürlich weiterhin für Projekte wie Maneo und die Aktion Noteingang ein.
Steigenden Fallzahlen bei Gewalt gegen Frauen mit Hilfe- und Schutzräumen begegnen
Die letzten Jahre zeigen einen beunruhigenden Trend: Die Gewalt gegen Frauen und geschlechtsspezifische Gewalt im Allgemeinen nehmen zu. Femizide und Partnerschaftsgewalt sind auch in Lichtenberg keine Seltenheit mehr – das kann und darf nicht sein! Gleichzeitig gibt es in Lichtenberg noch keine einzige bezirkliche Gewaltberatung und noch zu wenig Frauenhäuser. Bisher können sich Betroffene nur an andere Bezirke, oder das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden (Nummer: 116 016).
Das wollten wir als SPD-Fraktion Lichtenberg, zusammen mit den Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE, ändern und diesen Missstand im Bezirk beheben. Daher haben wir uns für die Einrichtung eines Frauenzentrums für FLINTA* eingesetzt. Der Schwerpunkt in der Umsetzung soll Gewaltberatung und Gewaltschutz sein, perspektivisch sollen aber auch weitere Angebote spezifisch für Frauen und FLINTA* aufgenommen werden.
Im Doppelhaushalt 2026/2027 sind auch 300.000€ für die Umsetzung eingeplant. Bisher hat sich allerdings nur wenig getan. Wir bleiben dran, damit Lichtenberg so bald wie möglich die notwendigen Hilfs- und Beratungsstrukturen ausbaut!
Sicher unterkommen, auch für Menschen ohne Obdach
Wenn es um Schutzräume geht, sprechen wir oft von Safe Spaces – also Orte für Hilfe, Beratung und Austausch von Menschen, die in irgendeiner Form Gewalt oder Diskriminierung erfahren.
Sehr ähnlich klingen die sogenannten „Safe Places“ – das Ansinnen ist auch sehr ähnlich, jedoch weicht die Struktur ab. Denn bei Safe Places handelt es sich um Orte, an denen obdachlose Menschen unterkommen können und vor Wind, Wetter und Gewalt geschützt sind. Teilweise sind solche Projekte auch an Sozialarbeit angedockt, um die Menschen möglichst gut weiterzuvermitteln und einzugliedern.

In der Wahlperiode 2021-2026 haben wir uns dafür eingesetzt, einen solchen Safe Place nahe des S- und U-Bahnhofs Lichtenberg einzurichten. An besagtem Bahnhof werden oft Zelte aufgestellt und kleine Camps errichtet, in denen Menschen ohne Obdach ihre Nächte verbringen. Das führt nicht nur zu Konflikten mit anderen Nutzer*innen des Bahnhofs, sondern birgt auch gerade in den Wintermonaten ein massives Risiko für die betroffenen Obdachlosen durch beispielsweise Kälte und Eis.
Um die Situation für alle zu verbessern, haben wir uns für einen Safe Place eingesetzt – bisher leider ohne Erfolg. Aber wir bleiben dran! Es braucht sinnvolle Lösungen, die auch den Betroffenen die nötige Hilfe bieten. Im Rahmen dessen haben wir uns auch für ein Projekt eingesetzt, dass seine Ursprünge in Frakreich hat, nämlich die „Bureaux du Coeur“.
Die Bureaux du Coeur, oder auch Büros mit Herz, sind in Paris mittlerweile gut etabiert. Büros mit Herz ermöglichen es, obdachlosen Menschen eine sichere Nacht in ungenutzten Bürogebäuden zu verbringen. Es gibt ihnen Schutz, Wärme, Zugang zu Sanitäranlagen und vor allem: Zeit. Zeit, die sie nutzen können, um ihre Angelegenheiten zu klären, zurück auf Wohnungs- und Arbeitsmarkt zu finden. Natürlich findet vorab eine Auswahl statt, welche Personen dafür überhaupt in Frage kommen. Menschen mit akuter Suchtproblematik, oder anderen physischen, oder psychischen Problemlagen kann dieses Projekt nicht die notwendige Hilfe bieten. Aber jenen, die einfach nur kein Dach über dem Kopf haben und alles was ihnen fehlt ein warmes Zuhause, Warmwasser und Zeit ist – die finden hier ihren Platz.
Wir haben uns dafür in Lichtenberg stark gemacht, doch Bedenken zwecks Versicherungsfragen und Gesetzeslage haben die Initiative erst einmal ins Stocken gebracht. So mussten wir den Antrag im Ausschuss zwar zurückziehen – wir bleiben aber am Thema dran und wollen es auf die Landesebene bringen. Dorthin, wo auch die Gesetzeslage angepasst werden kann. Andernorts wurde dieser Schritt bereits gegangen und in NRW diskutieren unsere Partei-Genoss*innen dies bereits auf Landesebene.
Wir hoffen auf denselben Tatendrang und Mut hier in Berlin, denn es ist Zeit zu helfen und zu handeln!
Gemeinsam gegen Einsamkeit im Alter

Einsamkeit im Alter ist auch in Berlin ein zunehmendes Problem. Um dem zu begegnen, haben wir im Doppelhaushalt 2024/25 über 140.000€ ausgehandelt, um entsprechende Projekte im Bezirk zu unterstützen.
Damit können u.a. auch die Angebote in Seniorenbegegnungsstätten ausgeweitet werden. In den sieben Begegnungsstätten in Lichtenberg, von denen drei dem Bezirksamt angehören, können Bewegungskurse und Kurse zur Arbeit mit dem Computer belegt werden. Zudem gibt es vielfältige kreative Angebote, wie Handwerken und Kunst. Außerdem steht Senior*innen ein Café zur Verfügung, in dem man sich austauschen kann. Diese Angebote – außer dem Café – stehen jedoch nur unter der Woche zur Verfügung. Viele Senior*innen sind aber auch ehrenamtlich tätig; auch Menschen über 55, die noch berufstätig sind, möchten evtl. die Angebote der Begegnungsstätten in Anspruch nehmen. Deshalb haben wir das Bezirksamt gebeten, zu prüfen, ob diese Angebote auch auf das Wochenende ausgeweitet werden können, um allen die Teilhabe zu ermöglichen und somit auch der Einsamkeit aktiv entgegenzuwirken.