Antrag zur Beschlussfassung

Betr.: Keine Standgenehmigung für Zirkusse mit Wildtieren

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht Zirkussen nur noch eine Standgenehmigung zu erteilen, wenn dies keine Wildtiere mitführen bzw. in ihrer Show zeigen.

Begründung:

Die Haltung und die Zurschaustellung von nicht heimischen Wildtieren wie Elefanten, Bären, Affen, Tigern, Zebras, Eisbären o.Ä. in einem Zirkus ist weder zeitgemäß, noch artgerecht. Dennoch gibt es nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes rund 320 Wanderzirkusse in Deutschland, die diese oder andere Wildtiere öffentlich zur Schau stellen und entgegen deren Bewegungs- und Sozialbedürfnis auf kleinstem Raum halten. In Berlin gastieren jedes Jahr rund 12 bis 15 Zirkusse. Darüber hinaus werden von vielen Zirkusbetrieben allenfalls die Mindestanforderungen des Tierschutzgesetzes, der Zirkusleitlinien und der so genannten Säugetiergutachten eingehalten, häufig jedoch sogar unterschritten.
Durch die Wanderung der Zirkusse kann eine Kontrolle bestehender Haltungsvorgaben durch Amtstierärzte ohne größere Anstrengung umgangen werden. Deswegen ist ein generelles Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen sinnvoll. Bis ein solches Gesetz verabschiedet worden ist (Berlin hat jüngst eine Bundesratsinitiative gestartet), sollen auf Bezirksebene Zirkusse, die Wildtiere halten, mitführen und zur Schau stellen, keine Genehmigung erhalten auf öffentlichen Plätzen ihr Zelt aufzuschlagen.

Anlage

Definition Wildtiere:

Als Wildtiere bezeichnet man in der Regel in der Wildnis lebende Tiere, die im Gegensatz zu den Haustieren nicht domestiziert sind. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit dem Ausdruck Wild, mit dem ausschließlich die im Zusammenhang mit Jagd relevanten Tiere gemeint sind.
Fast überall auf der Erde gibt es Wildtiere, dabei leben heute die wenigsten Wildtiere in der Wildnis, also in einer vom Menschen unberührten Natur. Tiere haben jeweils bestimmte Ansprüche an ihren Lebensraum (Nahrung, Möglichkeit der Fortpflanzung, Schutz vor Feinden usw.), die oft auch die von Menschen geprägte Kulturlandschaft in ausreichendem Maß erfüllen. Einige Wildtiere haben sich sogar zu Kulturfolgern entwickelt, z. B. Weißstorch, Mauersegler, Turmfalke, Hausmaus. Andererseits sind durch menschliche Aktivitäten (Landwirtschafts- und Siedlungsflächen) viele Lebensräume zerstört oder zumindest in ihrer Fläche stark reduziert worden. Die Zahl der Wildtiere, die auf Grund ihrer besonderen Bedürfnisse nicht ausweichen können, wird sich in gleichem Maße verkleinern. (Quelle: www.wikipedia.de)

Bei der Haltung von Tieren wildlebender Arten ergeben sich überdies weitere Schwierigkeiten und Probleme:

Wildtiere haben keine entwicklungsgeschichtliche Anpassung an das Leben in der Obhut des Menschen durchlaufen und stellen daher besonders hohe Ansprüche an Pflege und Unterbringung. Einige Tierarten können aufgrund ihrer Biologie und ihres Verhaltens nicht für bestimmte Vorführungen ausgebildet werden und werden als Schautiere mitgeführt (z.B. Giraffe, Nashorn). Es werden Tierarten mitgeführt, die unter Artenschutz stehen (darunter auch WA Anhang I-Arten). Der häufige Transport stellt für einige Wildtierarten eine hohe Belastung dar (z.B. Giraffe). Die klimatischen Bedürfnisse und spezielle Ansprüche an den Lebensraum werden nicht oder nur unzureichend berücksichtigt (z.B. bei kälteempfindlichen Elefanten und Nashörnern).
(aus: Deutscher Tierschutzbund e.V., „Die Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben – Forderungen und Positionen des Deutschen Tierschutzbundes, Torsten Schmidt“ vom 23.02.2005).

Berlin, 10.05.2010

Manfred Becker Erik Gührs
Fraktionsvorsitzender Bezirksverordneter
für die SPD-Fraktion für die SPD-Fraktion