Wenn wir uns im Jahr der Wahlen zum europäischen Parlament fragen, was hat eigentlich die europäische Gemeinschaft dem Bezirk Lichtenberg gebracht, können wir auf allerlei Unübersehbares verweisen:

So etwa auf die zuletzt fertig gestellten großen Projekte restaurierte Aula der Max-Taut-Schule und saniertes Stadthaus in der Türrschmidtstr. Die mit etwa 7,5 Mio. Euro wieder hergestellte Taut-Aula ist ein großer Mehrzwecksaal mit Bühne, wie wir ihn so in Lichtenberg bisher nicht hatten, inzwischen für Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt. In die Sanierung des Stadthauses sind ca. 3,2 Mio. Euro europäische Mittel geflossen. Es beherbergt nun das Lichtenberger Museum und zieht nicht nur Bewohner des Bezirks an.

Bereits im Herbst 2005 seiner Bestimmung übergeben wurde das originelle neue Nachbarschaftshaus des Vereins „Kiezspinne – Nachbarschaftlicher Interessenverbund Frankfurter Allee Süd“ in der Schulze-Boysen-Straße.

Es ist mit 1,5 Mio. Euro EU-Mitteln und gut 600.000 Euro Landesmitteln errichtet worden. Die Finanzierung der genannten Projekte, zu denen u.a. noch die Verbesserung der Umgebung des Bahnhofs Lichtenberg oder der Spielplatz am Nöldnerplatz zu zählen ist, erfolgte aus dem europäischen Urban-II-Programm. Ab 1994 schüttete die Europäische Union erhebliche Fördermittel zur Belebung und Entwicklung benachteiligter, unterstützungsbedürftiger Stadtteile in europäischen Großstädten aus. Es ging dabei nicht nur um die Neugestaltung öffentlicher Räume, um die Verbesserung von Umwelt- und Verkehrssituation, sondern auch um die Stärkung des sozialen Miteinanders der Menschen.

Von 2000 bis 2008 schloss sich eine zweite Förderperiode mit derselben Zielrichtung an, Urban II genannt. Nach einem Bewerbungsverfahren kamen 70 europäische Städte in den Genuss solcher Mittel, darunter 12 deutsche. Berlin gehörte nach erfolgreicher Bewerbung mit seinem Projekt „Rund ums Ostkreuz“ dazu. Die so genannte Förderfläche erstreckte sich von der Oberbaum-City in Friedrichshain ostwärts bis zum Weitlingkiez in Lichtenberg. Auf ihr wurde eine große Anzahl von Einzelprojekten, größeren wie kleineren, finanziert, insgesamt mit 15 Mio. Euro, zu denen noch Bundes- und Landesmittel kamen.

Den Löwenanteil erhielt Lichtenberg. In unserem Bezirk ist mit dem neuen Nachbarschaftshaus „Orangerie“ ein völliger Neubau errichtet worden. Es war der erste Neubau eines Nachbarschaftshauses in Berlin seit 57 Jahren. Aus einem Architektenwettbewerb ging der Entwurf eines elliptischen Flachdachgebäudes mit einem Terrasseneinschnitt als Sieger hervor. Vereinsmitglieder beteiligten sich an der Planung der Innengestaltung und leisteten Enormes bei der Gestaltung der Räume und des Umfeldes.

Die Platzierung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist ein ökologisches Signal (das mit dem jetzt gegenüber stehenden Niedrigenergie-Hochhaus der HOWOGE korrespondiert). Für den Verein „Kiezspinne“ war die Arbeit an der Konzeption des Gebäudes, die Mitwirkung an seiner Gestaltung und dann die Freude am Fertiggestellten ein starker Impuls. Und für den Stadtteil ist das neue Gehäuse ein Magnet geworden. Außerdem eignet sich das unverwechselbare Haus hervorragend als Ort vielfältigster Veranstaltungen. Die Mittel aus dem Urban-II-Programm sind in Lichtenberg ihrer Bestimmung gemäß gut angelegt worden. Schönes Neue ist entstanden und gesellschaftliches Miteinander inspiriert worden!

Autor

Manfred Becker, Vorsitzender der SPD-Fraktion Lichtenberg