In die BVV-Sitzung am 11. Dezember 2014 bringt die SPD-Fraktion folgenden Antrag ein:

Die Bezirksversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht, mit einer Erinnerungstafel darauf aufmerksam zu machen, dass und in welcher Weise die evang. Erlöserkirche in der Nöldnerstraße
im Vorfeld und während der Friedlichen Revolution eine herausragende Rolle gespielt hat.

Der Tafeltext ist mit der Kirchengemeinde abzusprechen.

Begründung
In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts war die evang. Erlöserkirche und das sie umgebende Gelände Ort zahlreicher DDR-weit beachteter und aus allen Teilen der DDR aufgesuchter Veranstaltungen DDR-kritischen Inhalts. So artikulierten unangepasste, aufmüpfige Jugendliche ihre Fragen an die DDR-Gesellschaft in der Veranstaltungsform der Bluesmesse. In Friedenswerkstätten kritisierte kirchliche Friedensgruppen u.a. die zunehmende Militarisierung der Schule, brachten Umweltgruppen die verheerenden, aber tabuisierten Schädigungen von Luft, Gewässern, Böden und Wäldern zur Sprache, forderten Menschenrechtsgruppen die Beachtung der Menschen- und Bürgerrechte ein, zu denen sich die DDR offiziell bekannt hatte.
Das SED-Regime sah in diesen Veranstaltungen zurecht eine Bedrohung seiner Herrschaft, bedrängte die evang. Kirchenleitung massiv (allerdings erfolglos), sie zu verbieten oder wenigstens zu entschärfen, und ließ sie mit immensem Aufwand beobachten. An der Vorbereitung der Veranstaltungen Beteiligte versuchte man einzuschüchtern, in Einzelfällen durch Verhaftung an der Mitwirkung zu hindern. Diese Maßnahmen konnten die Erfolge dieser Veranstaltungen jedoch nicht verhindern. Erfolgreich waren sie insofern, als sie große Teilnehmerzahlen aufwiesen und Ermutigung zum Weitermachen und zu zunehmender Vernetzung bewirkten.

Auf diese Weise hat die evang. Erlöserkirche an der Herausbildung einer friedlich-revolutionären Situation in der DDR einen herausragenden Anteil und im Bezirk Lichtenberg ein zu würdigendes Alleinstellungmerkmal.